Epilation

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Immer mehr Kosmetikerinnen interessieren sich für Möglichkeiten der Photoepilation. Schließlich nimmt die Zahl der Methoden und Geräte zu. Um sich für ein Gerät zu entscheiden, und den Kunden optimal behandeln zu können, sind fundierte Basiskenntnisse über das Haarwachstum erforderlich. Der Markt in Sachen Haarentfernungen boomt wie selten. Die Anzahl von verschiedenen Methoden und Geräten ist mittlerweile so groß geworden, dass es sogar Spezialisten schwer fällt, den Überblick zu behalten. Insbesondere die IPL-Technologie und ihre Weiterentwicklungen sind z.B. in aller Munde.

 

Immer mehr Geräte werden angeboten. Doch wie genau funktionieren die einzelnen Techniken? Wo liegen konkret die Unterschiede? Welche Methode eignet sich für wen am besten? Bei der Entscheidung für ein System hilft solides Basiswissen. Dieses ist zudem auch unerlässlich, um Kunden im Institut optimal beraten zu können und je nach den individuellen Gegebenheiten, die geeignete Behandlungsstrategie auszuwählen. Schließlich gilt es, Enttäuschungen der Kunden zu vermeiden, wie etwa ineffektive Behandlungen oder gar unerwünschte Nebenwirkungen. Im Folgenden habe ich versucht, die wichtigsten grundlegenden Fragen zusammenzustellen, die Ihnen Orientierung bieten können.

 

All denjenigen, die bereits ein Gerät besitzen, sollen sie helfen, Behandlungsstrategien für ihre Kunden festzulegen, und die individuellen Erfolgsmöglichkeiten besser abschätzen zu können. Wer sich ein Gerät kaufen möchte, dem bieten sie ebenfalls Anhaltspunkte für eine endgültige Entscheidung. Letztlich dreht sich alles um die zentrale Frage: Wie kann man einen Haarfollikel zerstören, ohne die Haut zu schädigen? Sie ist sehr komplex. Um sie abschließend beantworten zu können, muss man sich zuerst einige grundlegendere Fragen anschauen, die mit ihr in Zusammenhang stehen.

 

 

Welche Haartypen muss man bei der Photoepilation unterscheiden?
Insgesamt unterscheidet man zwei für die Photoepilation wichtige Haartypen: Vellushaare werden auch Flaumhaare genannt. Dabei handelt es sich um kurze, weiche, nicht pigmentierte oder schlecht pigmentierte Haare. Terminalhaare bezeichnen große, normalerweise gut pigmentierte Gesichts- und Körperhaare. Die beiden Haartypen haben einen unterschiedlichen anatomischen Aufbau. Deshalb reagieren sie sehr unterschiedlich auf gleiche Dosen von Licht. Grundsätzlich sind die Vellushaare wegen ihrer oberflächlichen Ansiedlung und fast fehlendem Melaningehalt schwieriger zu behandeln. Bei manchen Geräten und Methoden werden entsprechende Behandlungen von Vellushaaren folglich gar nicht erst angeboten.

 

 

Gibt es Unterschiede zwischen Haartypen bei Frauen und Männern?
Ja, es gibt ganz deutliche Unterschiede. Bei Männern sind 90% aller Haare an der Brust, am Bauch, auf den Schultern, am Rücken, an den Beinen und an den Armen Terminalhaare. Frauen haben an den gleichen Körperstellen lediglich rund 5 000 Terminalhaare. Alle anderen Haare sind die Vellushaare. Dies kann die Behandlungsergebnisse entscheidend beeinflussen.

 

 

Können im Laufe des Lebens neue Haarfollikel gebildet werden?
Nein. Wir sind mit ca. 5 Millionen Haarfollikeln geboren. Haarfollikel können später nicht mehr nachgebildet werden. Allerdings produzieren nicht alle Follikel Haare. Die Haarproduktion kann durch verschiedene Umstände (z.B. Pubertät, Schwangerschaft, Wechseljahre, chemische Präparate, verschiedene Erkrankungen etc.) aktiviert werden. Gleichzeitig kann auch die Größe des Haarfollikels und des mit ihm verbundenen Haares im Laufe der Zeit deutlich geändert werden. Die Verteilung der Haarfollikel und ihre Dichte sind genetisch bedingt.

 

 

Können sich die Haare im Laufe der Zeit von einem in den anderen Typ umwandeln?
Vellushaare können sich in Terminalhaare umwandeln. Terminalhaare können sich auch in Vellushaare zurückbilden. Die Vellushaare transformieren sich in einem natürlichen Prozess während der Pubertätsphase in Terminalhaare. Die maximale Entwicklung der Terminalhaare findet zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr statt. Haarfollikel können pathologisch verkleinert werden. Dies passiert z.B. als Reaktion auf spezifische Hormone, besonders auf Androgene. Dabei wandeln sich die großen, gut pigmentierten Terminalhaare in die Vellushaare um. Es kommt zu einer Kürzung der Anagenphase und einem so genannten telogenen Effluvium – so bezeichnet man dem Haarverlust durch die verstärkte Überführung der Haare ins Ruhestadium. Dazu kann es durch die Wirkung von verschiedenen Medikamenten (z.B. Zytostatika im Rahmen einer Krebstherapie), bei starkem Fieber und auch bei Unterernährung kommen.

 

Eine Verkleinerung des Haarfollikels findet auch oft bei der Photoepilation statt. Die Größe des Haarfollikels definiert den Durchmesser des Haarschaftes und die Dauer der Anagenphase. Dies ist der Grund, warum nach solchen Photoepilationsbehandlungen oft keine richtige Haarwuchsreduktion, sondern lediglich eine Veränderung der Haarqualität beobachtet wird. Eine pathologische Umwandlung der Vellushaare in die Terminalhaare findet z.B. bei Hirsutismus und Hypertrichose statt. Dabei kommt es zu einer Verlängerung der Anagenphase und einer Vergrößerung des Haarfollikels. Kleine Vellushaare werden dabei in die großen und pigmentierten Terminalhaare umgewandelt.

 

 

Sind die Haarzyklus-Phasen bei allen Menschen gleich?
Nein. Die Anzahl von Haaren jedes Typs ist bei verschiedenen Menschen unterschiedlich. Dasselbe gilt auch für die Zyklusphasen der Haarentwicklung (Anagen, Katagen und Telogen). Untersuchungen zeigen, dass die Abweichung hier so groß sein kann, dass ein direkter Vergleich der Behandlungsergebnisse unmöglich wird. So sind bei einigen Menschen z.B. lediglich 10% aller Beinhaare in der Anagenphase, bei anderen kann diese Zahl fast 30% erreichen. Das kann die Effektivität der Behandlung erheblich beeinflussen.

 

 

Unterscheiden sich die Haare an den verschiedenen Körperteilen eines Menschen?
Ja, sehr. Nur 20 % der Haare an den Beinen sind durchschnittlich in der Anagenphase, an der Oberlippe sind das über 65%. Die Beinhaare haben eine Telogenphase von ca. sechs Monaten. Die Oberlippenhaare ruhen dagegen nur rund sechs Wochen. Die durchschnittliche Dichte von Beinhaaren beträgt ca. 60 pro cm2, die von Oberlippenhaaren liegt bei ca. 500 pro cm2. Solche Unterschiede haben ausschlaggebenden Einfluss auf die Festlegung der Behandlungsstrategie und der Behandlungsergebnisse.

 

 

Kommen die Haare nach einer Behandlung mit Licht wieder?
Dies ist eine der wichtigsten Fragen der Photoepilation und kann nicht so einfach und eindeutig beantwortet werden. Das hängt mit der Komplexität der Thematik zusammen und von den Leistungen des jeweiligen Behandlungsgerätes ab. Licht ist nicht gleich Licht. Mit einer Depilation (z.B. mit Wachs) lassen sich Haare nur vorübergehend entfernen: Die Irritation stimuliert die Entwicklung der Anagenphase. Bei einer Photoepilation werden der Haarschaft, die Matrix, sowie die äußeren Schichten der Haarwurzel beschädigt. Zentrale Frage: Ist die Beschädigung so stark, dass sich die Follikel nicht mehr regenerieren können?

 

Wenn die durch Lichtenergie erreichte Temperatursteigerung im Haarfollikel zu niedrig oder von zu kurzer Dauer ist, kommt es lediglich zu einer reparablen Beschädigung, die unter den geeigneten Konditionen wieder repariert werden kann. Wie kann es dazu kommen? Haarfollikel gehören zu den wenigen Gewebearten, die Keimzellen beinhalten. Diese Zellen sind in einem Gebiet verteilt, das man als Bulge bezeichnet. Aus diesem Depot können die Keimzellen in die Haarmatrix wandern. Dort fangen sie an, sich zu teilen und zu differenzieren. Dadurch entsteht ein neues Haar. Dieser Prozess ist von zahlreichen Substanzen und Rezeptoren kontrolliert. Die Frage, ob die Haare irgendwann nach der Photoepilation wieder kommen können, sollte folgendermaßen beantwortet werden.

 

Die Haare kommen an einer behandelten Stelle nicht wieder, wenn der Haarfollikel während der Behandlung irreversibel beschädigt wurde. Dann haben die Keimzellen keinen Platz mehr, wo sie sich ansiedeln können, oder die Keimzellen wurden während der Erwärmung so beschädigt, dass sie sich nicht mehr teilen können. Die zweite Variante ist allerdings eher unwahrscheinlich, weil man dafür deutlich mehr Energie benötigt. Primäres Ziel muss also sein, die endgültige Schädigung des Haarfollikels zu erzielen.

 

 

Was passiert, wenn der Haarfollikel nicht ausreichend beschädigt wurde?
In diesem Fall wandern die Keimzellen – wie oben beschrieben – in die Haarmatrix und eine neue Entwicklung beginnt. Wann und ob dies passiert, ist vom Zustand der Haut, dem hormonellen Status und vielen anderen Faktoren abhängig. Diese Entwicklung kann Wochen oder auch Jahre dauern. Nach außen wirkt dieser Prozess wie eine Art Verlängerung der Ruhephase des Haarwachstums, wovon man ihn jedoch unterscheiden muss.

 

 

Welche Effekte können nach einer Behandlung mit Licht beobachtet werden?
Es kann zu drei verschiedenen Wirkungen kommen: (1) Einer Verlängerung der Telogenphase. Das passiert, wenn der Haarfollikel nicht ausreichend beschädigt wird. Dies manifestiert sich dadurch, dass die Haare nicht in einem normalen Rhythmus, sondern manchmal mit einer erheblichen Verspätung wiederkommen. (2) Einer Miniaturisierung (Verkleinerung) des Haarfollikels. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Terminalhaare sich in Vellushaare umwandeln. (3) Einer vollständigen Zerstörung des Haarfollikels. Das Ergebnis ist eine permanente Haarentfernung. Welcher Effekt tatsächlich auftritt, ist im Wesentlichen von der eingestrahlten Energie abhängig.

 

 

Wie hoch muss die Energie sein, um Haarfollikel irreparabel beschädigen zu können?
Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass für Laser-Geräte (z.B. Dioden-Laser und Ruby-Laser) diese Grenze bei üblichen Impulsbreiten von über 30 J/cm2 liegt. In gleichen Untersuchungen wurde bei niedrigeren Energien (10-20J/cm2) lediglich ein zeitbegrenzter Haarverlust registriert. Für IPL-Methoden ist diese Grenze nicht so eindeutig definiert. Es ist aber zu erwarten, dass sie aufgrund von unterschiedlichen Eigenschaften verschiedener Wellenlängen auf gleichem Niveau, oder noch höher liegen könnte. Die Belastung der Haut ist bei diesen Energien allerdings so hoch, dass man mit erheblichen Nebenwirkungen rechnen muss – selbst bei heller Haut.

 

Fest steht jedenfalls: Ist die eingestrahlte Energie zu niedrig, kann man im besten Fall nur mit einem so genannten Effluvium der Telogenphase rechnen. Solche Effekte sind in der Regel reversibel, der Haarfollikel wird nicht vollständig beschädigt und die Keimzellen können mit der Reparatur anfangen. Im Vergleich zur Depilation ergibt sich nur ein deutlicher Unterschied: Der Rhythmus ist anders. Es dauert deutlich länger als bei einer normalen Haarentwicklung nach der Rasur oder Depilation mit Wachs. Solche Ergebnisse können meiner Meinung nach allerdings kein Ziel einer teueren Photoepilation sein, weil man ähnliche Resultate auch mit kostengünstigeren »Haar-Stop-Gelen« erreichen kann. Für ähnlichen Diskussionsstoff hat vor einiger Zeit schon einmal das Thema »Ultraschallenthaarung « gesorgt.

 

 

Reicht eine überschwellige Energiedichte allein aus, um gute Ergebnisse zu bekommen?
Nein. Das kann man an einem anschaulichen Beispiel erklären. Wenn Sie ein Hühnerei in Wasser bei gleicher Temperatur von 100 Grad Celsius 30 Sekunden, drei und fünf Minuten kochen, bekommen sie drei unterschiedliche Resultate. Es kommt also nicht nur auf die Temperatur an, sondern auch auf die Kochzeit. Bei der Photoepilation benutzt man Lichtimpulse von 10-60 ms (selten von 100 ms), wobei die Erwärmungszeit bei dicken Haaren eindeutig über 200 ms liegt. Ohne besondere Spezialmaßnahmen ist es hier unmöglich, die vom Lichtimpuls abgegebene Energie im Haarfollikel zu konzentrieren, und die so erreichte Temperatur über längere Zeit zu halten, ohne dass es zu einer Abkühlung kommt.

 

 

Ab welchem Hauttyp können Komplikationen auftreten?
Komplikationen wie z.B. Verbrennungen oder Pigmentverschiebungen können prinzipiell bei jedem Hauttyp auftreten. Oft wird die Situation so dargestellt, als ob nur Kunden ab Hauttyp IV zur Risikogruppe gehören. Es gilt jedoch stets einen Spagat zu bewältigen zwischen einer effektiven Behandlung mit ausreichender Energie und dem damit verbundenem Komplikationsrisiko, und einer sicheren Behandlung mit reduzierter Energie, die nicht mit langfristigen Erfolgen verbunden sein wird. Machen wir es an einem Beispiel deutlich: Helle Haare lassen sich nur mit viel Energie entfernen. Das kann sogar bei heller Haut mit einem Risko verbunden sein.

 

 

Welche Rolle spielt das Frequenzspektrum?
Das Frequenzspektrum des Gerätes hat großen Einfluss. Zu kurze Wellenlängen sorgen für eine bessere Melaninabsorption, sind aber mit einer unverhältnismäßigen Absorption durch Hämoglobin verbunden. Das kann zu einer Schädigung von Blutgefäßen führen. Bei Wellenlängen über 1 000 nm kommt es schnell zu einer starken Absorption des Lichts durch Wasser, was eine Überhitzung und Verbrennung der Haut hervorrufen kann. Allerdings darf man die Breite des ausgewählten Spektrums auch nicht überkritisch betrachten: Verschiebungen von 50 nm nach links oder rechts werden keine entscheidende Rolle spielen.

 

 

In wie weit hat die Behandlungsweise Einfluss?
Die Behandlungsweise ist sehr wichtig. Sie kann allerdings die technischen Eigenschaften des Gerätes nicht ersetzen: Liefert das Gerät zu wenig Energie, bleibt die Behandlung auf lange Sicht ineffektiv. Bildet die eingestrahlte Energie einen Wärmestau in der Haut, ist bei ausreichender Energie mit Komplikationen zu rechnen. Diese technischen Defizite, sind oft auch mit einer sorgfältigen Behandlungsweise nicht zu lösen.

 

 

Wie die Haare wachsen
Die Photoepilation erfreut sich einer immer größeren Beliebtheit. Zahlreiche Neuentwicklungen sind auf dem Markt. Doch die Technik allein bringt nicht den Erfolg. Nur wer über das fachliche Wissen verfügt, kann die Möglichkeiten des Gerätes auch voll ausnutzen. Hier setzt der folgende Artikel an. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten Jahre auf dem Gebiet der Epilation wirken sich derart auf die Effektivität der verschiedenen Haarentfernungsmethoden aus, dass der Erfolg der gewählten Methode entscheidend auch davon abhängt, welches Hintergrundwissen man mitbringt.

 

 

Wie viele Entwicklungsphasen haben Haare?
Man unterscheidet folgende Phasen: Anagen- (Wachstum), Katagen- (Rückbildung), Telogen- (Ruhephase) und Exogen-Phase (Ausfall). Während dieser Entwicklung entstehen morphologische Veränderungen im Haarschaft und im Haarfollikel. Was in der Kosmetik noch wenig bekannt ist: Die einzelnen Phasen sind nicht homogen, sondern bestehen selbst aus mehreren Subphasen, z.B. besteht die Anagen-Phase aus sechs, die Katagen-Phase aus acht Subphasen. Wie Sie später sehen können, steht diese Aufteilung in einem direkten Zusammenhang mit den zu erwartenden Ergebnissen bei der Photoepilation.

 

Während der Anagen-Phase baut sich der Haarfollikel zuerst auf, es reift und es kommt später – durch Teilung der epithelialen Zellen – zur Haarproduktion. Während der Katagen-Phase wird die Teilung der Keratinozyten in der Haarmatrix unterbrochen; gleichzeitig wird die Produktion von Melanin reduziert und dann vollständig gestoppt. Die Haare entwickeln sich nicht weiter und es kommt zu einem Wachstumsstillstand. Gleichzeitig werden die unteren Teile des Haarfollikels abgebaut. In der darauf folgenden Telogen-Phase wird das so genannte Kolbenhaar gebildet und in der Exogen-Phase fällt der Haarschaft vollständig aus. Jetzt ist der Weg für eine neue Entwicklung wieder frei.

 

Wie läuft die Entwicklung genau ab?
Haare sind Miniorgane der Haut, welche einer zyklischen Veränderung unterworfen sind. Dabei unterscheidet man einen permanenten und einen variablen Teil des Follikels. Der permanente (obere) Teil bleibt während des Zyklus fast unverändert; der variable Teil dagegen unterliegt sehr starken Veränderungen. Dabei degeneriert während der Katagen-Phase der untere Teil des Haarfollikels sehr stark. In der Telogen-Phase bleibt nur der permanente Teil des Follikels übrig; der Haarschaft sitzt damit viel oberflächlicher als in der Anagen-Phase. Nach dem Ausfall des Kolbenhaars aus dem telogenen Follikel ist der Weg für eine neue Entwicklung frei.

 

Nun stellt sich die Frage: Kommt das neue Haar aus dem gleichen Follikel, oder aus einem benachbarten? Die Antwort lautet: aus dem gleichen Follikel. Dies bedeutet, dass, obwohl der Haarfollikel in der Telogen-Phase geschrumpft ist und ganz oberflächlich bleibt, ein Anagenhaar in die Tiefe wächst –
manchmal bis zu 10 mm. Demzufolge breitet sich nicht ein Haar, sondern erst ein Haarfollikel in die Tiefe aus. Diese Aufgabe übernehmen Stammzellen, welche im oberen Teil des Haarfollikels sitzen. Stammzellen befinden sich auf der Höhe des Musculus arrector pili – jenes Haarmuskels, welcher unter anderem auch für die „Gänsehaut“ verantwortlich ist – im immer noch unerforschten Bulge-Bereich. Sie sind außer für die Wiederentwicklung von Haaren auch für die Wiederherstellung der Haut verantwortlich.

 

Es werden also dieselben Zellen aktiv, wenn es gilt, den Haarfollikel wieder aufzubauen und nach einer Hautverletzung die Haut zu regenerieren. Sollte es dabei zu Verwechslungen kommen, könnten hieraus verschiedene Probleme auftreten. So vermutet man heute, dass eine Verbindung zwischen Haarfollikel und verschiedenen hyperproliferativen Erkrankungen, wie z.B. Psoriasis, existieren kann. Noch vor wenigen Jahren hat man gedacht, dass alles, was mit Haarerneuerung zu tun hat, aus dem Bulge-Bereich kommt. Neueste Modelle gehen davon aus, dass bei der Haarentwicklung zwei Gegenströmungen von Zellen stattfinden: Während der Phasen Anagen I bis III läuft nur ein Aufbau des Haarfollikels nach unten.

 

Ab der Phase Anagen IIIb entwickelt sich eine Gegenströmung von Zellen in Form der Haarschaftentwicklung nach oben. Diese Entwicklung wird von einer anderen Gruppe von Stammzellen gesteuert, die unter dem Haarfollikel sitzen. Solch neuen Erkenntnisse sind auch für die Haarentfernung von großer Bedeutung:  So ist kaum zu erwarten, dass man eine effektive Behandlung bei Haaren in früheren Anagen-Phasen durchführen kann – die Melanozyten haben noch kein Pigment gebildet. Dies ist der Grund, warum man immer öfter über späte Anagen- und frühe Katagen-Phasen als wichtigste Wachstumsphasen für die Photoepilation spricht.

 

 

Wie tief sitzen die Haare in der Haut?
Die Dauer einer Follikelentwicklung ist hormonabhängig. Dabei gilt: Je länger sich die Haare entwickeln, desto dicker werden sie und desto tiefer sitzen sie. Oberlippenhaare haben in der Regel eine Tiefe von 1–2,5 mm, Kinnhaare von 2–4 mm und Körperhaare von 3–5 mm. Es ist keine Seltenheit, dass die Haare am Rücken, an den Schultern oder in der Bikini-Zone in einer Tiefe von 6–10 mm sitzen, was die Erfolge der Photoepilation erheblich reduzieren kann. Das Licht – je nach Wellenlänge – hat unterschiedliche Eindringtiefen: von etwa 0,4 mm bei 500 nm bis zirka 4 mm bei 1.000 nm.

 

 

Wie kommt es zur Umwandlung von Terminalhaaren in Vellushaare?
Dass sich während der Pubertät die Terminalhaare in Vellushaare umwandeln, weiß jeder. Eine Rückumwandlung ist auch ein interessantes Phänomen, welches bei verschiedenen Erkrankungen sowie nach der Photoepilation auftreten kann. Jeder, der eine apparative Haarentfernung mit Licht oder Strom durchgeführt hat, kennt dieses Phänomen. Aus dem, was man jetzt schon weiß, kann man ableiten, dass so eine Umwandlung durch eine Beschädigung von Stammzellen im Bulge-Bereich gesteuert wird. Werden diese Zellen beschädigt, kann sich der Follikel nicht mehr nach unten entwickeln. Werden hingegen die unteren Stammzellen nicht beschädigt, kann sich degeneratives Haar aus einem unterentwickelten Haarfollikel entwickeln. Solche Haare haben keinen Platz für Melanozyten und tragen kein Pigment. Sie bleiben auch oberflächlich sitzen und erfüllen somit alle Voraussetzungen, um als Vellushaare bezeichnet zu werden.

 

 

 

Welche Faktoren beeinflussen eine normale Haarfollikel-Entwicklung?
Ein normaler Haarfollikel-Zyklus lässt sich durch interne sowie externe Faktoren modifizieren. So können beispielsweise Östrogene zu einer Verlängerung der Anagen-Phase führen. Androgene können z.B. eine Vergrößerung des Haarfollikels in androgenabhängigen Körperbereichen (z.B. am Kinn) verursachen. Ähnlich können Anabolika wirken. Prolaktin kann Hirsutismus hervorrufen. Eine Unterbrechung der regelmäßigen Einnahme hormoneller Verhütungsmittel kann ein telogenes Effluvium – ein Akkumulieren von Haarfollikeln in der Telogen-Phase mit entsprechend stärkerem Haarausfall – zur Folge haben. Deshalb sind bei der Photoepilation körperregionale Unterschiede und die Einnahme von Präparaten zu beachten.

 

 

Kann man „schlafende“ Haarfollikel bei der Epilation aktivieren?
Bei der Geburt besitzt der Mensch etwa fünf Millionen Haarfollikel in der Haut. Im Laufe des Lebens kommen keine neuen hinzu. Ein Riesenanteil von diesen bleibt für immer inaktiv; man spricht von so genannten dormanten – schlafenden – Follikeln. Unter gewissen Umständen kann es durchaus passieren, dass diese Follikel aktiviert werden, beispielsweise nach der Photoepilation. Ein verstärktes Haarwachstum und der sog. Paradox-Effekt wären dann die Folgen. Hier wirkt eine alte biologische Regel: Mit kleinen Dosen kann man aktivieren, mit großen töten.

 

Die selektive Photothermolyse
In der ästhetischen Medizin und in der Kosmetik basieren immer mehr Anwendungen auf optischer Energie. Le kosmetische Behandlungspalette ist breit gefächert. Für die Photoepilation gilt: Nicht nur die Lichtintensität, auch die Einwirkungsdauer und die Temperatur sind für eine erfolgreiche Behandlung wesentliche Größen. Die Kunst ist: Alle drei Parameter sinnvoll aufeinander abzustimmen.

 

Neben der Epilation konnte sich die optische Energie bei Behandlungen von Gefäßveränderungen, von Pigmentflecken verschiedener Art, bei der Faltenreduktion, der Hautbildverbesserung und sogar bei der Akne-Behandlung etablieren. Das Hauptprinzip bleibt unabhängig von der verwendeten Lichtquelle – verschiedenen Arten von Lasern, IPL-Technik oder ihren Modifikationen – und unabhängig vom Zielobjekt – Haaren, Altersflecken oder Teleangiektasien – gleich. Man spricht von der selektiven Photothermolyse.

 

 

Die drei Säulen der Methode
Diese basiert auf drei Voraussetzungen: Die optische Energie dringt genügend tief ein, um die Zielobjekte zu erreichen, ist stark genug, um thermische Schädigungen des zu behandelnden Zielobjektes hervorrufen zu können, wird im Zielobjekt absorbiert (dabei kann die umliegende Haut auch relativ stark erwärmt sein). Gewiss, all diese drei Voraussetzungen erscheinen relativ einfach und fast selbstverständlich. In der Praxis ist es aber gar nicht so einfach, allen gleichstark und gleichbleibend gerecht zu werden. Kommt nur eine davon nicht richtig zum Tragen, kippt das System relativ schnell um.

 

 

Wie tief dringt optische Energie in die Haut ein?
Pigmentansammlungen – auch hier muss man differenzieren, welcher Art diese sind – können im basalen oder suprabasalen Bereich der Haut angesiedelt sein. Auch Haare sind unterschiedlich tief lokalisiert: von 1–2 mm an der Oberlippe bis zu manchmal 8–10 mm auf Männerrücken (anagene Haare) oder unter gewissen Umständen in der Bikini-Zone. Hierdurch wird schon deutlich, dass die Zielobjekte einer Lichtbehandlung unterschiedlich tief lokalisiert sein können, was eine Generalisierung der Behandlung stark erschwert. Generell hängt die Eindringtiefe des Lichtes von der Wellenlänge ab. Im Bereich von 500 nm liegt sie bei etwa 0,4 mm und erreicht zirka 4 mm bei 1.000 nm. Wie sich die Lichtenergie im Körper tatsächlich verteilt, hängt davon ab, welches Licht-Spektrum das Gerät bietet. Bei einem Laser ist die Wellenlänge immer definiert – zum Beispiel 694 nm beim Rubin-, 755 nm beim Alexandrit-, 800 nm beim Dioden-, 1.064 nm beim Nd:YAG-Laser.

 

Mit Letzterem kann man besser tief liegende Haare behandeln, bei oberflächlichen Haaren treten Probleme auf. Mit einem Alexandrit-Laser hingegen lassen sich oft gute Ergebnisse bei den oberflächlich lokalisierten Haaren erzielen und die tiefer liegenden stellen ein Problem dar. Da bei der IPL-Technik ein Breitband-Lichtspektrum – oft zwischen 600 und 1.000 nm – verwendet wird, sollten damit bessere Ergebnisse zu erzielen sein. Auch hier hängt die tatsächliche Energieverteilung stark von der Lichtquelle und von der Filter-Technik ab. Dies zeigt, dass man kaum oberflächlich und tief liegende Zielobjekte mit ein und derselben Behandlung effektiv behandeln kann.

 

 

Wie und wo wird Licht absorbiert?
Geht man davon aus, dass die eingestrahlte Energie tief genug in die Haut eindringen kann, stellt sich die Frage, ob sie auch tatsächlich vom Zielobjekt selektiv absorbiert wird. Dies ist je nach angestrebter Behandlung unterschiedlich. Bei der Photoepilation wäre es beispielsweise wünschenswert, die Stammzellen per Licht zu beschädigen Das bleibt leider jedoch oft nur ein Wunsch, denn sie beinhalten kein Melanin und bleiben darum für das Licht „unsichtbar“.

 

Um die unteren Teile der tief gelegenen anagenen Haare zu erreichen, muss das Licht zuerst die Epidermis-Strukturen durchdringen. Die optische Energie wird zum einen vom Melanin in der Epidermis und dem Haarschaft, zum anderen vom Hämoglobin im Blut absorbiert. Ist der Melanin-Gehalt in der Epidermis größer als im Haarschaft, wird die Haut stärker erwärmt als das Zielobjekt (Haar). In diesem Fall bleibt nur die Möglichkeit, die Lichtintensität zu reduzieren, um die Haut nicht zu verbrennen. Doch dadurch ist die Behandlung auch uneffektiver.

 

 

Wie intensiv muss die absorbierte Energie sein?
Um das Haar irreversibel zu schädigen, muss die Energie schnell und konzentriert abgegeben werden. Zudem wird auch eine gewisse Temperatur benötigt, die über einen bestimmten Zeitraum gehalten werden muss. Also nicht nur die Temperatur, sondern auch die Wirkungszeit ist wichtig. Noch ein weiterer Faktor kommt ins Spiel: die Haardicke. Um dicke Haare ausreichend zu erwärmen, braucht man eine deutlich längere Erwärmungszeit als für normale Haare.

 

Diese beträgt beispielsweise bei mittleren und dicken Haaren (50–125 mm) mehr als 170 ms. Nicht einmal die sogenannten Longpuls-Laser besitzen derartige Pulslängen. Will man ein akzeptables Ergebnis erzielen, wird man also genötigt, die Lichtintensität zu erhöhen. Nur so kann man die notwendige Wirkungszeit über der Grenze bleiben – was das Risiko von Nebenwirkungen entsprechend erhöht. Es lässt sich darüber streiten, welche Energie man tatsächlich braucht, um eine permanente Epilation zu erzielen. Verschiedene Studien mit Lasern zeigten, dass eine permanente Epilation erst ab zirka 30 J/cm2 zu erwarten ist. Eines steht fest: Niedrigere Energien führen fast ausschließlich zur Verlängerung der Telogenphase, aber nicht zu einer permanenten Epilation – der Effekt ist spätestens nach 90 Tagen dahin.

 

Bei mittleren Energien kann ein Teil der Haare mit permanentem Ausfall reagieren, mit steigender Lichtintensität sogar zunehmend; Gleichzeitig sind die Nebenwirkungen aber auch stärker. Hier sollte man klar definieren, was man tatsächlich erreichen will: schnelle und kurzfristige Erfolge, oder langsam ansteigende und langfristige Ergebnisse. Wird zum Beispiel eine mittlere Energie in kurzen Impulsen abgegeben, ist nicht selten zu beobachten, dass die Haare ungefähr in der Mitte des Haarschaftes unter der Haut verbrannt werden und abbrechen. Sie fallen dann schneller aus und zeigen eine erfreulich schnelle Reaktion auf die Behandlung. Dies hat allerdings kaum etwas mit einer permanenten Epilation zu tun – was jedoch erst Monate später festzustellen ist.

 

 

Welche Rolle spielen eigentlich die Hautstrukturen?
Generell gilt: Die eingestrahlte Energie, die man am Gerät ablesen kann, entspricht nicht der absorbierten Energie. Zirka 30–45 % dieser Energie werden von der Haut reflektiert, die anderen 30–40 % werden seitlich gestreut. Lediglich 15–40 % (wenn überhaupt) der eingestrahlten Energie erreichen die Haarfollikel. Diese absorbierte Energie kann sich von Mensch zu Mensch nahezu um das Dreifache unterscheiden. Wie ist ein solch großer Unterschied zu erklären? Vorwiegend liegt es an den verschiedenen Hautstrukturen. So sind bei trockener und normaler Haut bedeutende Unterschiede zu verzeichnen.

 

 

Realistische Erwartungen
Es gibt viele verschiedene Methoden, lästige Härchen zum Verschwinden zu bringen. Hoch im Kurs steht zurzeit die Photo-Epilation, die man oft in Laser- und IPL-Epilation unterteilt. Welche Ergebnisse kann man erzielen? Schon seit vielen Jahren werden Laser in Technik und Medizin eingesetzt. Ihre Besonderheit: Man kann mit dieser Methode recht hohe Energien in einer einzigen Wellenlänge des Lichtes konzentrieren. Seit rund 25 Jahren werden Laser auch zur Haarentfernung angewendet. Wird Haut mit Laserlicht bestrahlt, nehmen die dunklen Farbpigmenten der Haut und der Haare die Lichtenergie auf.

 

Es kommt zur Erwärmung. Gelingt es, die Haare zu erhitzen, ohne dabei die Haut zu stark zu belasten, können die Haare selektiv zerstört werden. Unterschiedliche Wellenlängen dringen auch verschieden tief in die Haut ein. Deshalb sind Laser oft sehr eng »spezialisiert«. Ein Rubi-Laser z.B. mit einer Wellenlänge von 694 nm (Nanometer) dringt 1,3 mm in die Haut ein. Ein so genannter Neodymium:Yttrium- Aluminium-Garnet-Laser (Nd:YAG) kann mit seiner 1064 nm- Wellenlänge sogar eine Tiefe von rund 4 mm erreichen. Werden diese beiden Geräte beim selben Mensch eingesetzt, lassen sich wegen der unterschiedlichen Energieverteilung auch unterschiedliche Ergebnisse erzielen. IPL-Geräte (Intensives Pulsierendes Licht) basieren auf der Breitband-Technologie. Das heißt, sie senden nicht nur eine Wellenlänge aus, sondern ein Spektrum von verschiedenen Wellenlängen. Das macht die Produktion der Geräte billiger. Und vor allem ermöglichtsie es, gleichzeitig verschiedene Wellenlängen zu nutzen. Geräte verschiedener Firmen unterscheiden sich u.a. im Lichtspektrum, das zwischen 500 und 1 100 nm liegen kann. Mit ihrem Breitband-Lichtspektrum und einer Handstück-Fläche von 1 bis 10 cm2 sollten IPL-Geräte klare Vorteile gegenüber der Laser-Technik bieten, was aber nicht immer der Fall ist.

 

Entscheidend ist nämlich nicht die gesamte Energie, sondern die Energiedichte, also die Lichtenergie pro Fläche, die in Joule (J)/cm2 gemessen wird. Sie liegt bei manchen IPL-Geräten deutlich niedriger als bei Laser-Geräten. Die große Fläche des Handstücks, die die Behandlung wesentlich schneller und wirtschaftlicher machen könnte, kann die Behandlungsergebnisse erheblich mindern. Denn die für eine permanente Epilation erforderliche Lichtenergie kann bei größeren Handstücken oft nicht eingebracht werden, da die Schmerzen für den Kunden zu groß wären. Weitere Nachteile der Photo-Epilation, wie z.B. Nebenwirkungen bei dunkler oder gebräunter Haut oder schlechte Behandlungserfolge bei grauen, blonden und roten Haaren, sind bei IPL- und Laser-Technologien fast gleich. In solch »schwierigen« Fällen versprechen Weiterentwicklungen der IPL-Technik bessere Ergebnisse – durch eine Kombinationsanwendung von verschiedenen Energiearten. Studien zufolge kann eine solche Synergie die Anwendungsgebiete der Photo-Epilation erheblich erweitern.

 

 

Die Ergebnisse im Blick
Photo-Epilationsbehandlungen sind teuer. Eine Beinenthaarung kann z.B. über 300 Euro pro Sitzung kosten. Klar, dass der Kunde die Haare dann möglichst schnell und endgültig weg haben möchte. Wenn die Haare dann drei bis sechs Monate später wieder nachwachsen, kann dies im Institut zu großen Problemen mit den Kunden führen. Dies passiert leider recht oft. Man muss sich darüber im Klaren sein: Erfolg oder Misserfolg einer Behandlung hängt von den Haar- und Hauteigenschaften der Kunden sowie von der Gerätetechnik ab.

 

Im Grunde kann man mit jedem Gerät eine permanente Haarentfernung erzielen – aber eben nur bei bestimmten Haaren. Denn eine vielzahl von Faktoren hat Einfluss auf den Erfolg einer Photo-Epilation, u.a. Haarfarbe, Haardicke und Haartiefe. Die gleiche Behandlung ist folglich nicht für jeden Kunden geeignet. Bei manchen Geräten müsste man der Mehrheit der Kunden von einer Behandlung abraten, was natürlich niemand tut. Enttäuschte und unzufriedene Kunden sowie Ärger sind vorprogrammiert. Grundlagenwissen in Sachen Haare und Technologien ist also gefragt. Viele meinen, dass sich blonde Haare am schlechtesten entfernen lassen. Tatsächlich sind es aber die roten – aufgrund ihres höheren Gehaltes an Phaeomelanin. Aber nicht nur die Farbe entscheidet. Selbst schwarze Haare lassen sich nur schwer entfernen, wenn sie zu dick (in der Regel über einem Durchmesser von 100 μm) sind oder zu tief (über 5 mm) sitzen.

 

Zu dicke Haare können oft nicht gleichmäßig erwärmt werden, bei tiefen Haaren reicht die Eindringtiefe des Lichtes nicht aus. Optimal für die Photo-Epilation sind dunkle Haare mit einem Durchmesser von unter 80 μm und einer Tiefe von 2-3 mm. Ganz dünne, oberflächliche Haare, so genannte Vellushaare, lassen sich mit konventionellen Photo-Epilationsmethoden ebenfalls nicht so gut behandeln. Auch Parameter wie Haardichte (Anzahl von Haaren/cm2) und die Anzahl von »schlafenden« Haarfollikeln spielen eine wichtige Rolle.

 

 

Die Technik machts
Verschiedene Geräte zur Photo-Epilation haben nur eines gemeinsam: Sie alle benutzen das Licht. Laser-Geräte unterschiedlicher Anbieter ähneln sich stärker als IPL-Geräte. Der Grund sind fest definierte Laser-Frequenzen. Diese Geräte sind für Kosmetikerinnen allerdings kaum zugänglich, da man eine Spezialausbildung braucht. Vor der Anschaffung eines IPL-Gerätes sollte man die technischen Eigenschaften genau hinterfragen. Was bietet das Gerät? Am wichtigsten sind Energiedichte und Pulsdauer. Aber auch andere technische Faktoren, z.B. die Fläche des Handstücks, die die von der Haut tolerierbare Lichtenergiedichte erheblich reduzieren kann, können die Behandlungsergebnisse stark beeinflussen. Technische Eigenschaften des Gerätes sind also häufig kein Marketingtrick, sondern stehen in direktem Zusammenhang mit den biologischen Wirkungen des Lichtes auf Haare.

 

 

Viele Einflussfaktoren
Folgende Parameter können für den Erfolg der Photo-Epilation eine wichtige Rolle spielen: Haarfarbe, Haardicke, Haartiefe, Hauttoleranz (u.a. Hauttyp), Behandlungsgebiet, Lichtenergiedichte (geräteabhängig), Erwärmungszeit (geräteabhängig), Handstückgröße (geräteabhängig). Wird z.B. zu wenig Lichtenergie ausgesendet, wird der Entwicklungszyklus der Haare oft nur vorübergehend verlängert. Es kommt zu keiner permanenten, sondern nur zu einer dauerhaften Haarentfernung. Diesen Begriff darf man irritierenderweise verwenden, wenn Haare bis zu 90 Tage später als normal wieder erscheinen. Die Energiegrenze zwischen einer permanenten Epilation und einer Telogenphasenverlängerung ist stark von den Eigenschaften des Haares abhängig: Hellere, dickere und tiefere Haare brauchen mehr Energie, die auch bei dunklen Haaren noch recht hoch liegen kann. Etliche IPL-Geräte können die notwendige Energie gar nicht aufbringen.

 

 

Achtung Hautschäden
Wenn man die Energie erhöht, kommt es schnell zu Nebenwirkungen wie Verbrennungen oder Pigmentverschiebungen. Bei manchen Systemen wird versucht, höhere Lichtenergiedichten durch eine Verkürzung der Impulsdauer zu erreichen. Eine kurzfristige Haarerwärmung reicht aber oft nicht aus, um die Haare richtig zu verbrennen. Rein rechnerisch braucht man z.B. für dickere Haare mit einem Durchmesser über 100 μm mehr als 100 ms Erwärmungszeit, was eine große Mehrheit von Geräten nicht liefern kann. bei den Resultaten einer Photo-Epilation kommt es also immer stark auf das Zusammenspiel von Haareigenschaften und technischen Parametern an. Bei der Geräteanschaffung bleibt oft nur, sich auf Studien zu verlassen, die allerdings nicht von einem Gerät auf das andere übertragen werden dürfen.